Eine Walser-Familie

Gressoney-La-Trinité

Die Familie, deren Angehörige sich einmal "Curta" und ein anderes Mal "Curtaz" schrieben, ist seit 1445 in Gressoney am Monte Rosa ansässig. Zuerst belegt ist der Notar Jacob Curtaz (1436-1510), der in Orsio, einem Weiler im "Oberteil" lebte, das heute die selbständige Gemeinde Gressoney-La-Trinité (Dreifaltigkeit) bildet. Die Ursprünge der Familie sollen über die Courten im Wallis zu der im 12. Jahrhundert in der lombarischen Stadt Gravedona am Comer See ansässigen Notar-Familie Curti zurückgehen.  


Gressoney-Saint-Jean

Im Gressoneyer Hauptort "Mittelteil", nach dem Patron der Pfarrkirche Johannes dem Täufer benannt, haben sich im Laufe der Zeit zwei Familienzweige, die "Curta Branche Castell Chemonal" und die "Curtaz Branche Capaluogo Predilys" herausgebildet. In Castell hat der Notar Cristofel 1580 das noch bestehende "alte Curta-Haus" erbaut. Vom ihm stammen auch die Kunstmaler der Familie ab (z'Moalersch), die später in Chemonal zuhause waren. Über ein Duzend Pfarrer hat die Familie hervor gebracht. Großen Bekanntheitsgrad hat der Kaufmann, Maler, Fotograf und Philanthrop Valentin Curta (1861-1929) durch seine Chronik "Gressoney einst und jetzt" erlangt. Heute leben in Gressoney noch mehrere Familien der Branche Capaluogo Predilys.


Oberweier (bei Lahr/Schwarzwald)

Wie viele Gressoneyer wurde Johann Joseph Curtaz (1733-1796), Sohn des gleichnamigen Notars Johann Joseph Curta (1698-1779), zwölfjährig in die Schweiz zu Verwandten geschickt, um den Beruf des Tuchhändlers zu erlernen. Als Kaufmann kam er dann wohl auch an den Oberrhein bis in die Gegend um Freiburg und Straßburg und ließ sich um das Jahr 1764 in Oberweier bei der aufstrebenden Handels- und späteren Industriestadt Lahr am Westrand des mittleren Schwarzwaldes nieder. Dort war er zweimal verheiratet . Von den insgesamt zwölf Kindern erreichten jedoch nur sieben das Erwachsenenalter.  Nachfahren von Johann Joseph Curtaz sind heute noch in drei Familien in Oberweier und dem Nachbarort Friesenheim sowie in Offenburg, Ladenburg und bei Hamburg zu finden.


Kappel am Rhein

Der älteste Sohn von Johann Joseph Curtaz aus Oberweier, Johann Valentin (1780-1840), wurde ebenfalls traditionsgemäß in die Kaufmannslehre geschickt. Enge Verbindungen bestanden zu dem Kaufmann Johann Franz Valentin Curta (1748-1805) von z'Moalersch in Chemonal (Gressoney), welcher Johann Joseph Curtaz wohl durch seine Ausbildung in der Schweiz kannte, sich danach 1788 in Hüfingen am Ostrand des Südschwarzwaldes niederließ und ein Kontor eröffnete. Er war wohl nicht nur Namensgeber sondern als nächster Verwandter in den deutschen Landen wahrscheinlich auch Pate von Johann Valentin und nach dessen Vaters frühem Tod im Jahre 1796 auch Vormund des damals 16-Jährigen. Denn unter seiner Anwesenheit als Trauzeugen heiratete Johann Valentin 1803 unweit von Oberweier in Kappel am Rhein, und ließ sich dort als Kaufmann und später Schneidermeister nieder. Der Name der Familie änderte sich in Kappel im Gegensatz zur Oberweirer Verwandtschaft über Curta und Kurta zu Korta. Heute leben noch acht Familien dieses Zweigs in und um Kappel sowie drei weitere in Speyer und bei Karlsruhe.